Corona-Ostern mit Hoffnung für Neuanfang

Wir feiern das zweite Osterfest unter Corona-Einschränkungen. Während vor einem Jahr alle schockiert waren und die Hoffnung hatten, diese Krise bald zu überwinden, macht sich in diesem Jahr vielerorts Niedergeschlagenheit breit. Über 75.000 Familien haben in Deutschland einen geliebten Menschen durch das Virus verloren, und selbst die Beerdigungen dürfen nur in kleinem Kreis und unter strengsten Auflagen stattfinden.

Hoffnungsschimmer auf Impfstoffe werden immer wieder durchkreuzt, und neue Pandemie-Wellen und Virus-Mutationen lassen uns verzagen. Doch angesichts der drohenden Gefahr für Leib und Leben hat die Botschaft von Ostern eine besondere Kraft. Denn im Zentrum des christlichen Festes steht zunächst eine schreckliche Grenzerfahrung. Dabei geht es nicht nur um den qualvollen Tod eines Menschen, der zuvor gedemütigt und gefoltert wurde, sondern auch um diejenigen, die zurückbleiben. Die Jünger Jesu waren zunächst entmutigt und liefen davon. Angst, Orientierungslosigkeit und Trostlosigkeit machten sich breit.

„In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren“, sagte Papst Franziskus in der Osternacht im Petersdom. Ein Neuanfang sei immer möglich. Auch aus den Trümmern unserer Herzen könne Gott ein Kunstwerk schaffen, auch aus dem Scherbenhaufen der Menschheitsgeschichte habe Gott etwas Neues entstehen lassen.

Jesus Christus lebt, hier und jetzt, betonte der Papst: „Er begleitet dich jeden Tag – bei der Situation, die du gerade erlebst, bei der Prüfung, die du durchmachst, bei den Träumen, die du hegst. Er eröffnet neue Wege, wo du meinst, es gäbe keine, er bringt dich dazu, dagegen anzukämpfen, dem Vergangenen nachzuweinen oder alles als „schon dagewesen“ abzutun. Auch wenn dir alles verloren erscheint, öffne dich staunend für das Neue, das er verheißt: Er wird dich überraschen.“

Nach seiner Auferstehung werden die Jünger nach Galiläa gerufen, um dort den auferstandenen Herrn zu treffen. Das bedeutet, sich wegzubewegen vom Grab, neue Wege zu beschreiten, was ja gerade in der Corona-Krise für uns alle wichtig geworden ist. Unser Glaube muss sich wieder neu auf den Weg machen, wenn er lebendig sein soll. Dazu gehört es auch, Kindheitserinnerungen aufzugeben und sich voll Vertrauen und demütig von Gottes Wegen überraschen lassen.

Nach Galiläa gehen bedeutet auch, an die Grenzen zu gehen, denn Galiläa ist der am weitesten entfernte Ort der dortigen Region. So werden auch wir heute gebeten, dorthin zu gehen, wo die Ausgegrenzten sind, wo sich das tägliche Leben abspielt, in die Straßen, auf denen wir jeden Tag unterwegs sind, in die verschiedenen Winkel unserer Städte – dorthin geht der Herr uns voraus und dort zeigt er sich, gerade im Leben derer, die an unserer Seite leben und mit uns Zeit, Haus, Arbeit, Nöte und Hoffnungen teilen. In Galiläa lernen wir, dass wir den auferstandenen Herrn in den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern finden können – im Enthusiasmus derer, die träumen, und in der Resignation derer, die verzagt sind, im Lächeln derer, die sich freuen, und in den Tränen derer, die leiden, besonders in den Armen und in denen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wir werden staunen, wie sich Gottes Größe im Kleinen offenbart, wie seine Schönheit in den Einfachen und Armen aufstrahlt.

Wenn wir also in unserem Herzen eine dunkle Stunde tragen, ein verschüttetes Licht, einen zerbrochenen Traum, dann sind wir aufgerufen, unser Herz voll Staunen für die Osterbotschaft zu öffnen: „Erschrick nicht, er ist auferstanden! Er wartet auf dich in Galiläa“. Deine Erwartungen werden nicht unerfüllt bleiben, deine Tränen werden getrocknet werden, deine Ängste werden von der Hoffnung besiegt werden. Denn weißt du: der Herr geht dir immer voraus, er geht immer vor dir. Und mit ihm beginnt das Leben immer neu.

Die Osterbotschaft kennt den Zustand der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Aber sie will vor allem ermutigen und Hoffnung spenden, damit Leid, Angst und Tod nicht das letzte Wort haben. „Veränderung kann schneller kommen, als wir glauben. Manchmal von unerwarteter Seite“, so ein Zeitungskommentar.

Quellen: Kommentar Hoffnung bleibt im Mannheimer Morgen | Predigt in der Osternacht von Papst Franziskus

(Johannes Lerch, 4.4.2021)

Zum Palmsonntag: Der König

„In jener Zeit hörte die große Volksmenge, die sich zum Paschafest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf – wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.“ (Johannes 12, 12-15)

Ein „König“ ist der „Inhaber der höchsten (monarchischen) Würde“, so kann man in einem Wörterbuch nachlesen. Wer ist mein König? Wer hat für mich die höchste Würde von allen Menschen? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich aufs Wort? Wem folge ich nach?

Der große Zug nach Jerusalem ist der Beginn einer Woche, die es in sich hat. Ich denke über den König nach und merke, dass es mir in der aktuellen Corona-Krise eher schwer fällt, den Obrigen unseres Landes zu vertrauen, auch wenn es in Deutschland keine königliche Monarchie gibt und Beschlüsse im Einvernehmen zwischen Bund und Ländern gefasst werden.

Doch was macht einen guten König aus? Was sind die Merkmale eines Herrschers, dem die Menschen gerne glauben und dem folgen, was er vorgibt? Er zeigt den Menschen durch sein Tun, dass er das Gute für die Einzelnen und das Ganze möchte. Er nimmt die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen ernst und tut alles in seiner Macht stehende, um Zufriedenheit, Gesundheit an Leib und Seele und Glück für sie zu schaffen. Jesus war ein „anderer König“ im Vergleich zu den weltlichen Herrschern seiner Zeit.

Weltliche Macht, Geld und oberflächliches Ansehen waren ihm egal. Der Mensch stand im Mittelpunkt seines Lebens, seines Wirkens. Zum Heil jedes einzelnen Menschen ist er auf die Erde gekommen: ein Oberer, ein Herrscher, ein König wie ich ihn mir wünsche.

Der große Zug nach Jerusalem: der Beginn einer Woche, in der Jesus alles auf die eine Karte setzt, um das zur Erfüllung zu bringen, wofür in die Welt gekommen ist. Der Weg, den er geht, ist der Weg mit dem Kreuz. Den Weg, den er geht, führt durch das Kreuz zur Auferstehung. Mit dem Weg, den er geht, erfüllt sich die Verheißung der Erlösung durch den Messias.

Jesus, ein besonderer König, der Inhaber der höchsten Würde; einer Würde, die uns durch unsere Taufe geschenkt ist. Ihm kann ich vertrauen, seinem Wort glaube ich. Wenn wir jetzt in die zweite Karwoche in der Corona-Pandemie gehen, wünsche ich uns allen, dass die Hoffnung, die dieser König Jesus uns schenkt, uns durch diese Zeit trägt.

(Juliane Schaad, 28.3.2021)

Mit dem heiligen Josef durch die Corona-Krise

Am 19. März feiert die Kirche das Hochfest des heiligen Josef, dem Papst Franziskus auch ein weltkirchliches Festjahr gewidmet hat, das noch bis zum 8. Dezember dauert. Warum kann uns der heilige Josef ein „verlässlicher Coach“ in der Corona-Krise sein, wie der Innsbucker Bischof Hermann Glettler es formuliert hat?

Der heilige Josef hatte genügend Krisenerfahrung, um „ermutigende Leitfigur und Bewährungs-Hilfe“ zu sein. Wirkliches Vertrauen schenkt man im Allgemeinen nicht erfolgreichen Karrieremenschen, sondern eher denen, die selbst schon handfeste Schwierigkeiten durchgemacht haben und sich bewähren mussten.

Der Bräutigam von Maria bewährte sich gleich in mehreren Krisen: Als er erfährt, dass seine Verlobte schwanger war, aber nicht von ihm, plante er, sich in Stille von ihr zu trennen. Doch dann folgte er der Aufforderung Gottes in einem Traum, sie zur Frau zu nehmen. Eine weitere Krise gab es zu bestehen, als das Paar kurz vor der Geburt nach Bethlehem wandern musste und dort keine Herberge fand. Schließlich gebot ihm ein weiterer Traum, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, und nach zwei Jahren wurde er wieder zurück nach Israel geschickt. Immer wieder musste er seine Pläne kurzfristig ändern und an die Grenze seiner Kräfte gehen, um den Auftrag Gottes, seine Familie zu schützen, zu erfüllen. Auch wir müssen uns in der Corona-Krise immer wieder neu orientieren, unsere Pläne ändern und aus unseren Kraftreserven leben.

Von Josef ist keine einzige Aussage in der Bibel überliefert. Der Mann ohne Worte war still und demütig. Alleinsein und Einsamkeit waren ihm nicht fremd. Auch in der Corona-Krise leiden viele Menschen unter Einsamkeit. Ein Leben ohne Worte, ohne Austausch, ohne Kommunikation ist auf Dauer kaum vorstellbar. Der schweigende Josef kann das gut verstehen. Sein bescheidender Dienst im Hintergrund – ohne jede Wichtigtuerei – kann uns Wegweisung sein. Denn Josef war in seiner tiefen Gottverbundenheit auch stark und mutig und hat die Botschaften des Engels konsequent umgesetzt. So ist er heute zurecht Schutzpatron der Kirche.

Der heilige Josef hat auch das Unrecht der römischen Besatzungsmacht miterlebt, mit großer Armut und hohen Steuern. Gerade in der aktuellen Corona-Krise, in der viele in finanzielle Nöte geraten, kann der Heilige Josef daher ein guter Fürsprecher sein. Er ist Beschützer von Familien, Frauen und Kindern. Als Tischler konnte er selbst für den Unterhalt seiner Familie sorgen. „Handwerker kommen überall zurecht“, sagte Pater Paulus-Maria Tautz CFR beim Josefsabend der Emmanuel Jugend am 19. März in München. So gilt Josef auch als Patron der Arbeiter.

Für Jesus war Josef Vater, Erzieher und Lehrmeister zugleich. Das Oberhaupt der Heiligen Familie ist auch ein wichtiges Vorbild für alle Väter, schreibt Papst Franziskus bei der Ausrufung des „Jahres des heiligen Josef“. Vater werde man nicht, „indem man ein Kind in die Welt setzt, sondern indem man sich verantwortungsvoll um es kümmert“.

Viele Wesenszüge von Josef sind auch in der Corona-Krise vonnöten und machen ihn zum idealen Fürsprecher. „Wir brauchen einsatzbereite Leute, die nicht nur aus der Distanz kommentieren oder Theorien huldigen, sondern selbst Verantwortung übernehmen – so wie Josef“, forderte Bischof Glettler.

Und Papst Franziskus wird durch den stillen und unauffälligen Josef im Apostolischen Schreiben „Patris Corde“ an die vielen Menschen erinnert, die seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Verborgenen einen wertvollen Beitrag für die Bewältigung dieser Krise leisten: „Wie viele Menschen üben sich jeden Tag in Geduld und flößen Hoffnung ein und sind darauf bedacht, keine Panik zu verbreiten, sondern Mitverantwortung zu fördern.“ Geschichte schreiben heute all jene, die nicht im Rampenlicht stehen: „Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Spediteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet.“ Sie alle leisten tagtäglich ihren Dienst ohne viel Aufhebens und helfen so, dass wir gemeinsam diese herausfordernde Zeit durchstehen.

Siehe auch Gebet zum Heiligen Josef

(Johannes Lerch, 19.3.2021)

Damit es zur rechten Zeit blühen kann

Zu Beginn des Lockdowns im vergangenen März, in der Zeit als wir diesen Blog gestartet haben, war ich zwei Wochen komplett zuhause. Da ich Erkältungssymptome hatte, verbrachte ich viel Zeit, eingewickelt in eine Decke, im Liegestuhl auf meiner Terrasse.

Ich erinnere mich daran, welche Dinge mir damals zu Beginn der Corona-Zeit geholfen und Mut gemacht haben. Etwas, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Frühlingsblüher und besonders die Tulpen, die in dieser Zeit in den Blumenkästen und Kübeln auf der Terrasse geblüht haben.

Ich hatte die Tulpen recht spät, aber gerade noch rechtzeitig im Januar in die Erde gesteckt. Als sie mir dann im Frühling sehr lange, etwa drei bis vier Wochen all ihre Farbigkeit, Fröhlichkeit, Lebendigkeit und Energie geschenkt haben, war das eine wunderbare Quelle der Freude und Kraft für mich. Auch in diesem Jahr habe ich die Blumenzwiebeln erst im Januar in die Erde gelegt und freue mich jetzt schon auf jede einzelne Blüte.

Mit den Blumenzwiebeln ist es wie mit anderen Dingen, die uns Kraft, Freude und Energie schenken: Wir müssen ihnen den Boden bereiten, und Vorbereitungen treffen, damit wir zur rechten Zeit Kraft tanken können. Das fängt mit dem Einkaufen des Lieblingstees oder -kaffees an und geht weiter mit dem Planen eines Urlaubs, eines Ausflugs oder von Exerzitien. Größere Pläne kann man ja in Teilen auch jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie schon ganz gut vorbereiten, auch wenn wir nicht wissen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.

Unser Kontakt zu Gott und das Schöpfen aus dieser Quelle des Lebens, bedarf ebenfalls einer gewissen Vorbereitung. Regelmäßig zu beten und dem Herrn durch das Lesen der Bibel, den Besuch von Gottesdiensten oder durch den Empfang der Sakramente zu begegnen, geht im Alltag und auf Dauer oft am einfachsten, wenn ich bewusst Zeit dafür einplane – und mir dann auch nehme. Während die Situation um uns herum unsicher und unabsehbar bleibt, kann mir das Planen von kraftspendenden Dingen – auch von Zeiten mit Gott – Sicherheit und Hoffnung geben.

Und wenn ich mal gar nicht dazu gekommen bin, die Blumenzwiebeln einzupflanzen, kann ich im Zweifelsfall immer noch später die kaufen, die der Gärtner gepflanzt hat.

(Juliane Schaad, 2.3.2021)

Fastenzeit? Weil Gott Heil für uns will!

„Auf was soll ich denn noch verzichten?!“ wird so mancher zu Beginn dieser Fastenzeit denken. „Ich muss doch in dieser Corona-Zeit schon auf so vieles verzichten“, könnte ein Gedanke sein.

Wenn weder der wöchentliche Sport, noch der Kaffee mit der Freundin, der Wochenendausflug mit der Familie oder der Besuch der Chorprobe möglich ist, wollen wir uns nicht noch die letzte kleine Freude mit dem Stück Schokolade, dem abendlichen Glas Wein oder der Lieblingsfernsehsendung nehmen …

Was heißt denn Fastenzeit, wenn wir uns die liturgischen Texte des Aschermittwochs anschauen?

„Kehrt um zu mir?“ – „Zerreißt die Herzen, nicht die Kleider!“ – „Kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ So lesen wir im Buch Joel. Wer umkehren muss, hat sich verlaufen, verirrt, ist zu weit gegangen oder auf der falschen Spur. Die Wortspiele gefallen mir.

Weil wir Menschen sind, gibt es jeden Tag in unserem Leben Momente, in denen diese Menschlichkeit durch unsere persönlichen Grenzen sichtbar wird. In vielen Fällen ist das nicht weiter tragisch und schadet weder uns noch anderen elementar. Aber regelmäßig haben Gedanken, Worte oder Taten, die nicht dem Guten dienen, Folgen für uns oder andere.

Okay, manchmal müssen wir umkehren, weil wir schiefgelegen haben – ja, aber wohin denn? Der Lesungstext vom Aschermittwoch (Joël 2, 12–18) gibt da einen konkreten Tipp: zum Herrn, unserem Gott, weil uns das Segen und Heil bringt. Können Sie das bestätigen, dass Gottes Wege diejenigen sind, die dauerhaft zu unserem Glück, Zufriedenheit, Hoffnung und Segen führen?

Einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel findet sich im Römerbrief (Römer 8,28): „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ Das hab ich erlebt, und das ist meine Hoffnung. So merke ich, dass es mir immer wieder Segen bringt, wenn ich mein Leben Gott hinhalte, ihn um Rat frage und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stellschraube drehe. Konkret spüre ich sogar, dass wenn ich mit einer Situation unzufrieden bin und schließlich mir zugestehe, dass ich falsch gelegen habe, innerer Frieden eintritt.

Das ist der erste Schritt. In der Fastenzeit sind wir eingeladen genau dies zu tun: bewusst auf die eigenen Gedanken, Worte und Werke zu schauen, zu prüfen wohin sie mich führen und unter Umständen dann auch die Richtung zu ändern.

Die Kirche gibt uns dafür Hilfsmittel – nicht nur mit dem Evangelium von heute. Das sind zum Beispiel das Gebet, der Empfang der Sakramente, besonders auch das Sakrament der Versöhnung, das Fasten und das Teilen von materiellen Gütern.

Fasten ist ein freiwilliger Verzicht auf etwas, von dem wir ahnen, dass es uns den Blick auf den Kern unseres Lebens versperrt. Es soll uns helfen, frei für eine Umkehr zu Gott zu werden. Was das ist, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Und ja, vielleicht sind das in diesem Jahr ganz andere Dinge als sonst. Aber auch darauf lohnt sich ein Blick, in dem Wissen, dass Gott uns hilft, den Weg zu ihm und mit ihm zu gehen – und damit zu einem Leben im Guten und in Fülle.

Ziel dieses Weges ist die Auferstehung – nicht nur an Ostern 2021! In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit!

(Juliane Schaad, 17.02.2021)

Wenn eine Zahl ein Gesicht bekommt

Es ist schon so, dass wir uns fast daran gewöhnt haben an diese Zahl, die wir täglich in den Nachrichten genannt bekommen oder als Eilmeldung auf dem Smartphone oder in der Zeitung lesen: die 800, 900 oder 1000 Menschen, die an oder mit Covid-19 gestorben sind.

Lange schon berichten Krematorien oder Bestatter, dass sie die Anzahl der Menschen, die im Moment sterben, kaum mehr bewältigt bekommen. Und manches ist in diesem Zusammenhang nicht mehr so würdig, wie wir uns das für jeden Menschen wünschen würden.

Es hat eine Weile gebraucht, bis ich das für mich verinnerlicht habe, was diese Zahl für einzelne Menschen und einzelne Familien bedeutet. Ja, jedes Jahr sterben viele Menschen in unserem Land tragisch und grausam, jeden Tag, viele Tausend. Und hinter jedem Einzelnen steckt eine Geschichte und Menschen, die um ihn oder sie trauern.

Und doch bewirkt das in uns etwas, wenn wir jeden Tag diese Zahl hören oder lesen. Manche würden jetzt vielleicht sagen, dass das politisch gewollt ist und dazu beitragen soll, die Menschen zu sensibilisieren. Wie auch immer. Vielleicht schafft es aber auch Aufmerksamkeit für ein Thema, dass lange zu sehr totgeschwiegen und in den Hintergrund gedrängt wurde: die Zerbrechlichkeit unseres Lebens und unsere Sterblichkeit.

In der vergangenen Woche nun war es soweit, dass jemand aus unserer Familie – mein Onkel – aufgrund von Covid-19 um sein Leben gerungen hat und schließlich gestorben ist. Das war der Moment, als diese tägliche Zahl für mich ein Gesicht bekommen hat. Das Gesicht eines Menschen, der mir lieb war, mit dem ich besondere Momente meiner Kindheit verbinde und den ich immer gerne getroffen habe.

Auch wenn wir alle einmal sterben müssen, ein Tod wie wir ihn für uns oder unsere Lieben wünschen würden, ist ein anderer. Mit diesem Text möchte ich all derer gedenken, die durch oder mit der Krankheit, die das Corona-Virus verursacht hat, gestorben sind: Gott nimm sie auf in sein Himmelreich. Und ich möchte Gott alle anvertrauen, die einen lieben Menschen durch Covid-19 verloren haben und denen das Abschiednehmen durch die aktuellen Umstände oft schwer gemacht wird: Gott segne sie.

(Juliane Schaad, 31.01.2021)

Jenseits von richtig oder falsch

„Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns.“ (Dschalal ad-Din ar-Rumi)

Heute ist wieder einer dieser Tage, wo alle in Deutschland darauf warten, was Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer für die nächste Zeit an Regeln, Geboten und Verboten in Bezug auf die Corona-Pandemie beschließen. Sie müssen entscheiden, was das Beste für die Menschen hier ist und wie ihrer Meinung nach endlich die Zahlen der Infizierten, Toten und Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen zurückgehen kann.

Auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, was uns am Ende der Beratungen verkündet wird, weiß ich doch, dass die Meinungen darüber stark auseinander gehen werden: Für die einen werden die Beschlüsse nicht weit genug gehen und die anderen werden sich darüber empören, welche Einschränkungen und Hindernisse uns aufgebürdet werden.

Was ich auch weiß ist, dass es ein richtig oder falsch objektiv nicht geben wird, schon gar nicht jetzt vor dem nächsten Wegstück in dieser Pandemie. Nach der nächsten Biegung werden wir vielleicht schlauer sein und können nur hoffen, dass die Damen und Herren in der Entscheidungsverantwortung gute Schlüsse gezogen haben aus den Erfahrungen der Wegstücke, die hinter uns liegen.

Beim Sortieren von Unterlagen ist mir heute eine Postkarte mit dem oben genannten Spruch in die Hände gefallen: Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns. Und genau das wünsche ich uns, wenn heute Nachmittag oder Abend die Wegmarken für die nächsten Wochen bekannt gegeben werden, dass wir lernen jenseits von richtig oder falsch im guten Willen das nächste Wegstück zu schaffen, uns begegnen statt uns weiter voneinander zu entfernen – auch wenn diese Begegnung vermutlich leider noch eine ganze Weile digital oder nur von weitem sein wird.

(Juliane Schaad, 19.01.2021)

Mit Ohnmacht und Hilflosigkeit umgehen

Pater Anselm Grün hat in Instagram folgenden Beitrag gepostet:

Liebe Instagramgemeinde!

Trotz aller Verschärfungen der Vorschriften im Lockdown bekommen wir den Virus einfach nicht in den Griff. Das erzeugt in uns ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Das Ohnmachtsgefühl ist unangenehm. Ein Weg, diesem Gefühl aus dem Weg zu gehen, besteht darin, die Schuld entweder bei anderen oder bei sich selbst zu suchen.

Wenn wir die Schuld bei anderen suchen, dann haben wir das Gefühl: Eigentlich könnte man die Krise vermeiden. Sie ist in unserer Hand. Nur ein paar Leute sind Schuld daran, dass sie uns getroffen hat. Doch dann übergehen wir das Gefühl, dass wir dieser Krise einfach ausgeliefert sind. Wir akzeptieren unsere eigene Begrenztheit und Brüchigkeit nicht. Wenn wir die Schuld bei uns selber suchen, dann schwächen wir uns. Und mit unseren eigenen Schuldgefühlen weichen wir letztlich auch dem Schmerz über unsere Hilflosigkeit aus.

Es ist nicht einfach, die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit anzunehmen. Der Glaube an Gott löst die Ohnmacht nicht einfach auf. Aber der Glaube an Gott hilft mir, mit der Ohnmacht umzugehen. Manchen Situationen gegenüber bin ich ohnmächtig. Aber mit meiner Ohnmacht und Hilflosigkeit bin ich in Gottes Hand. Ich bin getragen von Gottes Liebe. Und an Weihnachten haben wir gefeiert, dass Gott selbst in unsere Ohnmacht hinein gegangen ist und sie gemeinsam mit uns aushält.

Die Ohnmacht, in die Jesus hineingegangen ist, gipfelt am Kreuz. Aber wir wissen, dass das Kreuz nicht das letzte Wort ist, sondern dass es verwandelt wird durch die Auferstehung. So dürfen wir hoffen, dass auch unsere Ohnmacht sich in neues Leben hinein verwandelt, dass wir mitten in unserer eigenen Begrenztheit Auferstehung erfahren, dass wir aufstehen in eine neue Lebendigkeit, in ein neues Vertrauen und in eine neue Freiheit und Liebe hinein, die durch nichts zerstört werden kann.

So wünsche ich Euch, dass Ihr alle Schuldvorwürfe an andere und an Euch selbst loslasst und Euch der Situation stellt, wie sie ist. Und dass Ihr Euch in allem, was Ihr an Begrenztheit erlebt, von Gottes guter Hand getragen wisst.

Euer P. Anselm Grün (16.01.2021)

Primetime in der Familie

In der Corona-Pandemie scheinen Familien die großen Gewinner zu sein. Hier gibt es keine Einsamkeit, sondern permanente Beziehung untereinander mit Austausch und Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten, Spielen und Ausflügen. Je mehr Kinder, desto abwechslungsreicher die sozialen Kontakte. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht oft anders aus. Nicht nur die Teenies hängen viel am Handy oder ziehen sich in ihr Zimmer zurück, leben in ihrer eigenen Welt und lassen sich oft nur zu den Mahlzeiten blicken. Auch wir Eltern haben festgestellt, dass wir viel zu oft mit eigenen Dingen beschäftigt sind und bedauerten, dass es in unserer Familie mitunter nur selten wirklich gute Interaktionen gab – wo doch gerade jetzt im Lockdown so viel Zeit dafür wäre.

Was nicht ist, kann ja noch werden, dachten wir. Also organisierten wir in den Weihnachtsferien eine „Primetime“, in der jeder mit jedem eine Zeit zu zweit hatte (zur Aufteilung gibt es übrigens praktische Turnierplan-Tabellen im Internet). Für das etwa einstündige Gespräch hatten wir drei Impulsfragen vorgeschlagen: Was schätze ich an dir? Was kann ich von dir lernen? Was ich schon immer mal von dir wissen wollte.

Weil wir uns in dem Zweieraustausch nur auf das Positive beschränkten, entstanden unglaublich schöne, auferbauende und hoffnungsvolle Gespräche, von denen wir immer noch zehren. Manchmal gab es einen Spaziergang, ein andermal eine gemütliche Zeit im Kinderzimmer bei einer Tasse Tee oder ein abendlicher Austausch am Kaminfeuer. Um die vertraulichen Gespräche zu schützen, haben wir Stillschweigen über die Inhalte vereinbart.

In jedem Falle wurde durch diese Primetime eine gute Basis gelegt: Gespräche, an die man immer wieder anknüpfen kann. Vielleicht gibt es bald eine zweite Runde …

(Marion und Johannes Lerch, 10.01.2021)

Mit Gottvertrauen ins neue Jahr

„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ Unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Januar zu einem 9-Tage-Gebet während des Corona-Lockdowns ein. Eine solche „Novene“ wird zu besonderen Anlässen und in Krisenzeiten gebetet, um Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen.

Das aktuelle 9-Tages-Gebet in Zeiten der Pandemie beginnt am 1. Januar, dem kirchlichen Hochfest der Gottesmutter Maria, an dem Tag, an dem die katholische Kirche auch den Weltfriedenstag begeht, und dauert bis zum 9. Januar. Die Texte für diese österreichweite Gebetsinitiative werden von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben.

Mit der Novene wollen die Bischöfe „eine geistliche Spur ins Neue Jahr hinein legen“, erklärte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der federführend bei der Auswahl der Gebete und der Gestaltung der Handreichung war.

Für jeden der neun Tage gibt es ein eigenes Gebetsmotto, einen Bibeltext und einen Meditationstext. Am Ende steht das eigens für die Novene verfasste Gebet zum Jahresbeginn.

Im Beten sind wir in den neun Tagen verbunden und können so die Zeit, bis reale Treffen wieder möglich sind, geistlich nutzen. Außerdem machen wir uns die Anliegen der Novene zu eigen und beten für das neue Jahr.

Noch ein Hinweis: Wem die angebotenen Vorschläge für jeden Tag zu viel sind, kann die Novene auf seine Bedürfnisse anpassen (zum Beispiel die Texte auf den Morgen und den Abend verteilen). Wichtig ist, jeden Tag das Anliegen der Novene aufzunehmen.

Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

(Ludger Fest, 01.01.2021)